Der Boden erweist sich für die Wasserversorgung am
Einzelstandort wie für den Gebietswasserhaushalt als Umsatzraum von
zentraler Bedeutung: seine Fähigkeit zur Wasseraufnahme und
-speicherung steuert die Aufteilung des Niederschlags in Verdunstung
und unterschiedlich schnelle Komponenten der Abflussbildung. Seine
Filtereigenschaften und biologische Abbauprozesse tragen zur Reinigung
des Sickerwassers bei. Fragestellungen rund um den Bodenwasserhaushalt
sind daher für Landwirtschaft, Wassergewinnung und Hochwasserschutz von
vielfältigem Interesse.
In wasserwirtschaftlicher Hinsicht nimmt die flächenhafte Grundwasserneubildung
unter den Bilanzgrößen des Wasserhaushalts eine herausragende Stellung
ein. So beruht die Wasserversorgung in Süddeutschland zum überwiegenden
Teil auf natürlichen Grundwasserverkommen. Mögliche Änderungen der
Grundwasserneubildungsrate durch Klimaänderungen bleiben damit nicht
ohne Folgen für die Versorgungssicherheit wie Nachhaltigkeit der
Ressourcennutzung.
Das Modell GWN-BW
wurde von GHC als Werkzeug für die Fachbehörden der Länder entwickelt
und in funktionaler Hinsicht auf das dort vorliegende
Anforderungsprofil abgestimmt. Es implementiert zur Beschreibung
einzelner Teilprozesse des Bodenwasserhaushalts sowohl physikalisch
basierte als auch konzeptionelle Ansätze, wobei besonderer Wert auf
deren Parametrisierbarkeit durch flächenhaft verfügbare Eingangsdaten
gelegt wird. Modelloberflächen erlauben eine flexible Steuerung von
Modellkonfiguration und Ergebnisausgabe. Die Simulation erfolgt in
hoher zeitlicher Auflösung (Tagesschritte) flächendetailliert für
Fragestellungen von Einzelschlägen bis hin zu landesweiten
Betrachtungen.
In den vergangenen Jahren wurde GWN-BW für die landesweite Simulation und regionale Fragestellungen zu Bodenwasserhaushalt und Grundwasserneubildung in Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz sowie grenzüberschreitend am Oberrhein (INTERREG III) eingesetzt. Im Rahmen des Kooperationsvorhabens KLIWA wurden für die drei beteiligten Länder unter Verwendung der WETTREG Szenariendaten ECHAM5/A1B und ECHAM4/B2 Simulationsläufe für verschiedene Zukunftszeiträume durchgeführt und umfangreichen Auswertungen unterzogen. Aktuell werden landesweite Eingangsdatensätze für das Land Hessen erstellt.
Weitere Anwendungsbeispiele, auch für kommunale und private Auftraggeber, sind Untersuchungen zur Nitratauswaschung in Wasserschutzgebieten oder die Bereitstellung einer mit der Fachbehörde abgestimmten oberen Randbedingung für eigene oder von dritter Seite betriebene numerische Grundwassermodelle.
=> Kurzbeschreibung des Modells (PDF)
=> Vollständige Literaturliste mit Downloads
Referenzen:
- LOGAR - Berechnung der flächenhaften Grundwasserneubildung für den Grundwasserkörper im Oberrheingraben zwischen Basel und Karlsruhe [2010]
- KLIWA - Bodenwasserhaushalt und flächenhafte Grundwasserneubildung auf Grundlage regionaler WETTREG Klimaszenarien für die Länder Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz [2008-2009]
- WaBoA - Wasser- und Bodenatlas Baden-Württemberg [2007]: Atlastafeln 2.10 "Mittlere jährliche tatsächliche Verdunstungshöhe", 5.4 "Mittlere jährliche Grundwasserneubildung", 6.3 "Wasserhaushalt von Einzugsgebieten", 6.4 "Trockenheitsindex" [in Zusammenarbeit mit IHF]
- Grundwasserneubildung in Stadt und Region Stuttgart [2007]
- MoNit - Konzeptstudie und Berechnung der Grundwasserneubildung für das INTERREG III Projekt "Modellierung der Grundwasserbelastung durch Nitrat im Oberrheingraben". [2002-2004]
- GWN-BW - Modellentwicklung und Anwendung. Hoch
aufgelöste Verdunstungs- und Grundwasserneubildungssimulation für
landesweite und regionale Fragestellungen in Baden-Württemberg.
[2002-2008]